POWERCONCEPT

Die Kunst, es in Worte zu fassen.

Andrea Przyklenk, Journalistin.

Unser Gehirn ist eine träge Masse – das wissen wir schon lange. Veränderung mag es nicht. Wir denken gerne in den gewohnten Bahnen. Querdenken ist uns zu anstrengend und wird uns meistens sowieso recht früh ausgetrieben. Unser eingleisiges Denken führt leider häufig dazu, dass wir mit unserem größten Pfund, der Kommunikationsfähigkeit, nicht wuchern können, sondern dass jede Kommunikation auf dem Abstellgleis der vorgegebenen Pfade landet.

Wir kennen es alle aus unseren beruflichen und privaten Beziehungen: Die Unterhaltung mit dem Kollegen Maier endet immer im Streit oder in spitzen Bemerkungen. Es scheint, als ob es einen festgelegten Ablauf dafür gäbe. Im Streit mit dem Partner/der Partnerin reagieren wir auf bestimmte Reizwörter oder Formulierungen. Berühmtestes Beispiel ist wohl die Formulierung „nie hast du Zeit für mich“. Blanker Unsinn, denn „nie“ ist unwahrscheinlich. Und egal, wie oft wir uns vornehmen, das beim nächsten Mal anders zu machen – es will einfach nicht klappen. Unser Gehirn reißt jedes Mal die Schublade mit den gemachten Erfahrungen auf und spult das Programm erneut ab. Es erfordert neue Erkenntnisse und viel Disziplin, um aus so einer Spirale herauszufinden.

Warum reagieren wir wie wir reagieren?

Eine Frage, an der sich die Wissenschaft trotz aller Erkenntnisse noch immer die Zähne ausbeißt. Aber man ist immerhin schon weit vorgedrungen ins Dickicht unserer Gedanken- und Gefühlswelt. Wenn wir unser Hirn als einen Dschungel betrachten mit Trampelpfaden, auf denen sich unsere Gedanken fortbewegen, wird man feststellen, dass die Trampelpfade nach unseren Erfahrungen angelegt wurden und dass die Gedanken nur selten in den Dschungel abbiegen. Das heißt überzogen: Einmal Krach mit dem Kollegen Maier, immer Krach mit ihm. Es sei denn, wir zwingen unsere Hirn dazu, den Trampelpfad zu verlassen und einen neuen durch den Dschungel zu schlagen.

Dafür müssen wir die Dinge aus einem anderen Blickwinkel betrachten. Wir könnten zum Beispiel dem Kollegen das Etikett „Störenfried“ abnehmen und uns fragen, was der tiefere Grund für sein Verhalten ist, weshalb es uns stört und was genau. Wir könnten unseren unangenehmen Vorgesetzten einmal nicht als „Idiot“, „Sklaventreiber“ oder „unfähigen Trottel“ betrachten, sondern uns überlegen, weshalb er ständig rumbrüllt. Einfach – er ist unsicher. Bingo! Aber was nun? Sind wir die Therapeuten unseres Vorgesetzten und wird er sich so einfach von uns therapieren lassen? Natürlich nicht! Und außerdem ist es gefährlich, Hobbypsychologie zu betreiben.

Den Blickwinkel verändern

Das Einzige, was wir tun können, um aus solchen permanenten Kommunikationsfallen herauszukommen ist, uns einen veränderten Blickwinkel zulegen und an uns selbst zu arbeiten. Wenn wir auf unsere Sprache achten, können wir schon erste Erfolge verbuchen. Es macht einen großen Unterschied, ob wir sagen: „Warum haben Sie mir das erst fünf Minuten vor dem Meeting gesagt? Da konnte ich nicht mehr reagieren.“ Oder ob wir sagen: „“Ich habe die Information etwas spät bekommen. Wir sollten überlegen, wie wir das in Zukunft so machen können, dass ich noch angemessen reagieren kann.“ Das erste ist ein Vorwurf, das zweite eine neutrale Aussage mit einem Lösungsvorschlag. Häufig bemerken wir gar nicht, wie viele Vorwürfe wir in unsere Kommunikation verpacken, wie viele Dinge, die wir lediglich annehmen, zwischen den Worten lesen, aufgrund unserer eigenen Vorurteile heraushören. Wenn wir öfter einen anderen Blickwinkel einnehmen, vielleicht einmal den Blickwinkel desjenigen, mit dem wir in die Fallen tappen, genügt das unter Umständen schon, dass wir die Trampelpfade der vergangenen Gespräche verlassen und neue finden, die uns das Leben angenehmer machen. Man muss nicht auf jeder Bananenschale ausrutschen.